Birkenbusch und Dodepuhl

Eine kleine Reise in die Kirkeler Sagenwelt - Folge 1 von 5

Birkenbusch, Dodepuhl? Diese Wörter dürften wohl nur noch ältere Bürger aus Kirkel, Limbach und Altstadt kennen. Die Jüngeren unter uns können vielleicht nichts damit anfangen. Und selbst viele Alteingesessene wissen nicht, dass hinter diesen Begriffen Sagen aus unserer Gemeinde stecken. Über die Jahrhunderte entstanden hier zahlreiche solcher spannenden Geschichten, die über Generationen meist nur mündlich weitergegeben wurden.

Um dieses wertvolle Kulturgut zu erhalten, hat es sich der Heimat- und Verkehrsverein Kirkel e.V. zur Aufgabe gemacht, die Geschichten zu sammeln. Über mehrere Jahre trug das Forscherduo bestehend aus Gunter Altenkirch und Thomas Marx Überlieferungen, Erzählungen und Berichte von Zeitzeugen zusammen. Daraus entstand das Buch „Birkenbusch und Dodepuhl“, in dem alle rund 70 Sagen und Geschichten unserer Gemeinde mitsamt interessanten Hintergrundinformationen vorgestellt werden.

Die Beschäftigung mit der Vergangenheit hat sich als wirksames Heilmittel gegen Einsamkeit erwiesen, ganz besonders unter älteren Menschen. Gerade jetzt, in dieser schwierigen Corona-Zeit, möchten wir Ihnen einen Einblick in die Geschichte unserer Gemeinde ermöglichen und Sie zu einer kleinen Reise in die hiesige Sagenwelt einladen. Jede Woche bis Weihnachten präsentieren wir Ihnen eine spannende Geschichte aus dem Sagenbuch – zum Selberlesen, Vorlesen oder Vorlesen lassen.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß und eine besinnliche Vorweihnachtszeit!

 

Folge 1 von 5: Dodepuhl (Totenpfuhl)

In Kirkel wurde einmal eine Hochzeit gefeiert. Dabei wurde viel getrunken. Zur späten Stunde brachen nun weinselig die Hochzeitsgäste aus Limbach auf. Es war jedoch eine finstere, mondlose stürmische Novembernacht. Trotz eindringlichen Bittens, man möge doch die Heimreise auf den folgenden Morgen verschieben. Trotz der Warnung wurden die Pferde angespannt und unter lautem Hallo machte man sich auf die Heimfahrt. Obwohl die Pferde schon zu Beginn der Fahrt sich unter lautem Wiehern sträubten, trieb der Kutscher sie mit heftigem Peitschenknallen an.

Je näher sie dem noch dunkleren Wald kamen, umso kleinlauter wurde illustre Gesellschaft. Schließlich bekamen die Frauen es mit der Angst zu tun. Die Männer versuchten sie zu beruhigen. Was ihnen jedoch nicht gelang, weil der Kutscher wie von Sinnen die Pferde antrieb. Als sie inmitten des dunklen Waldes ankamen, scheuten die Pferde. Da fing der Bauer, der die Kutsche führte, an zu fluchen: „Der Teufel soll euch holen wenn Ihr nicht wollt“.

In Kirkel verfolgte man die Kutschfahrt mit Sorgen. Als man jedoch plötzlich in der Ferne ein lautes und jämmerliches Schreien aus dem Wald hörte, nahm man sofort Laternen und folgte der Wagenspur. Als man an der Stelle ankam, wo die Wagenspuren plötzlich endeten, fand man einen dunklen Pfuhl vor, den die Leute noch nie gesehen hatten. Vom Grunde des dunklen Pfuhls stiegen noch einzelne Blasen.

Man war entsetzt über das Geschehen und betete an der Stelle ein Gebet für die Verschwundenen.

In Limbach wurde man auf das Schreien aus dem Wald aufmerksam und betete für die armen Seelen auch ein Gebet.

Die Seelen der Verschwundenen sollen in dunklen Novembernächten an die Stelle zurückkehren, an der sie ertrunken sind. In diesen Nächten ist das Wehklagen bis Limbach und Kirkel zu hören. Dann werden zum Andenken an die Verschwundenen in den Dörfern Kerzen angezündet.

 

Möchten Sie mehr über die Sagen der Gemeinde Kirkel erfahren oder suchen Sie noch Lesestoff für einen gemütlichen Winterabend? Diese und weitere Geschichten finden Sie in dem Buch „Birkenbusch und Dodepuhl“, erhältlich beim Heimat- und Verkehrsverein Kirkel e.V.; Preis: 17,- €, zzgl. 2,20 € Versand. Bei Interesse rufen Sie uns an unter 06841 / 8098-40 oder schreiben eine E-Mail an kultur@kirkel.de.